Stand: 28.09.2016

Aktuell gibt es in Sachsen 19 bestätigte Wolfsterritorien (Abb.1). Davon liegen 17 Territorien ganz im Freistaat Sachsen und zwei Territorien sind grenzübergreifend: eines zu Brandenburg (SP) und ein weiteres zur Tschechischen Republik (HW). Drei Wolfsterritorien (AH, RZ und Z) haben nur zu einem kleinen Teil ihr Gebiet auf sächsischer Seite und werden daher in den Nachbarländern mitgezählt.

Im letzten Monitoringjahr* 2015/2016 wurden im Freistaat Sachsen 15 Rudel, 3 Paare und ein territoriales Einzeltier nachgewiesen. Somit haben sich im Vergleich zu 2014 in Sachsen fünf neue Rudel (Königshainer Berge, Gohrischheide, Biehain, Cunewalde, Knappenrode) und drei neue Paare (Neustadt, Raschütz, Bernsdorf) etabliert.
Über die Nachweise der neuen Territorien in den Königshainer Bergen, der Gohrischheide, Neustadt und Raschütz (Raum Großenhain) berichtete das Kontaktbüro bereits. Die Auswertung von genetischen Untersuchungen ergab nun auch Klarheit in anderen Bereichen. Dies betrifft das Biehainer Rudel, im Bereich nördlich und südlich des Biehainer Forstes, und das Knappenrode Rudel südlich von Hoyerswerda. Auch aus dem Bereich Cunewalde konnten die genetischen Untersuchungen nun den Nachweis erbringen dass dort im letzten Jahr Welpen geboren wurden. Bereits im Herbst 2015 lieferten Fotofallenaufnahmen erste Hinweise darauf, endgültig geklärt wurde der Status des Vorkommens aber erst jetzt.
Zudem hat ein Wolfspaar südwestlich des Seenlandrudels im Bereich Bernsdorf ein neues Territorium etabliert, wie die Auswertung der genetischen Ergebnisse ergab.
Im Laufe des Frühsommers 2016 konnten zwei weitere neue Rudel (Raschütz und Neustadt) bestätigt werden (KB berichtete). In beiden Bereichen müssen sich also bereits im Monitoringjahr 2015/2016 Wolfspaare etabliert haben.

Das Gebiet um Neustadt (Spreetal) war von 2004 bis 2008 Kerngebiet des Neustädter Rudels. 2009 wurde es vom Milkeler Rudel übernommen. Nun hat eine Tochter des Milkeler Rudels hier ihr eigenes Territorium etabliert. Auch das Knappenroder Rudel, dessen Territorium am westlichen Rand des Milkeler Territoriums liegt, wurde von einer Tochter aus dem Milkeler Rudel gegründet.

Im aktuellen Monitoringjahr 2016/2017 konnte bisher in 8 Rudeln der Nachweis von Reproduktion durch Aufnahmen von Welpen oder der Fähe mit Gesäuge erbracht werden (Welpenaufnahmen: Daubitz, Nochten, Biehain, Milkel, Knappenrode, Raschütz; Fähe mit Gesäuge: Neustadt, Dauban). Aus den Territorien Gohrischheide, Königsbrücker Heide, Königshainer Berge, Niesky, Seenland und Spremberg liegen noch keine Nachweise von Welpen vor.
Bei der territorialen Wölfin im Hohwald gibt es bislang keine Belege für die Anwesenheit eines möglichen Partners. Aus dem Laußnitzer Heide, Rosenthaler und Cunewalde Rudel, die im letzten Monitoringsjahr 2015/2016 Welpen aufgezogen haben, liegen aus diesem Jahr kaum Wolfshinweise vor, sodass deren aktueller Status noch unklar ist.

Im südlichen Teil des Landkreises Görlitz, im Bereich um Löbau bis ins Zittauer Gebirge, liegen einzelne Nachweise von Wölfen vor, jedoch ist noch unsicher ob es sich bereits um ein etabliertes Territorium handelt. Im Rahmen des Monitorings wird hier weiterhin versucht, den Status zu klären. Darüber hinaus wurde aktuell auch direkt südlich der sächsischen Vorkommen in Tschechien, im Schluckenauer Zipfel, ein Wolfsrudel nachgewiesen (Rumburk, nicht in der Karte dargestellt).

Hinweise aus der Bevölkerung werden immer gerne angenommen. Vor allem Sichtungen von Wölfen und auch Welpen liefern wichtige Informationen für das Monitoring. So sind dies häufig die ersten Anhaltspunkte für Neuetablierungen aber auch im bestehenden Wolfsgebiet sind sie hilfreich um einzelne Rudel abgrenzen zu können. Bitte melden Sie Wolfshinweise an das Landratsamt Ihres Landkreises, an das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ (Tel. 035772 / 46762, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) oder an das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland (Tel. 035727 / 57762, kontakt@ lupus-institut.de).

 
Die aktuelle Verbreitung von Wölfen in ganz Deutschland finden Sie hier.

Abb. 1:  Wolfsvorkommen in Sachsen (Stand Monitoringjahr 2015/2016). Die Darstellung der Territorien ist schematisch. Tatsächlich grenzen die einzelnen Territorien überall aneinander oder überlappen sich teilweise. Schraffiert gekennzeichnet ist das Gebiet Löbau/Zittau, in dem der Status unklar ist. Angrenzend an das sächsische Wolfsgebiet gibt es auch in Brandenburg und Polen flächendeckend Wolfspräsenz. Aktuell wurde darüber hinaus auch direkt südlich der sächsischen Vorkommen in Tschechien, im Schluckenauer Zipfel, ein Wolfsrudel nachgewiesen (Rumburk, in der Karte nicht dargestellt).

 

Wolfsterritorien in Sachsen (Reviere ganz oder großteils im Freistaat)

BED: Bernsdorf

aktueller Status: in Bearbeitung; Kerngebiet: Bereich Bernsdorf südwestlich Hoyerswerda; erstmals nachgewiesen als Paar 2015, Wurf 2016: noch offen

DN: Dauban

aktueller Status: Rudel; Kerngebiet: Ostteil des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft/ Daubaner Wald, nachgewiesen seit 2008, die Fähe (FT9, "Frieda") trug 2013-2015 einen GPS-GSM-Halsbandsender, Wurf 2016: Foto von Fähe mit Gesäuge

DZ: Daubitz
aktueller Status: Rudel; Kerngebiet: Ostteil des Truppenübungsplatzes Oberlausitz, existiert seit 2006, Wurf 2016: mind. 5 Welpen

GH: Gohrischheide (SN / BB)

aktueller Status: Rudel; Kerngebiet: Gohrischheide, ersten Nachweise auf markierende Fähe und Welpe im Winter 2015/2016, Wurf 2016: noch offen

HW: Hohwald Rudel (SN / Tschechische Republik)

aktueller Status: in Bearbeitung; Kerngebiet: Hohwald (Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Bautzen), Großteil des Reviers in Sachsen, ein Teil in der Tschechischen Republik, von 2012 bis 2014 als Rudel mit Welpen nachgewiesen, aktuell ist nur eine sesshafte Einzelwölfin nachgewiesen, hierbei handelt es sich um eine Tochter des ehemaligen Hohwald Rudels, noch ist unklar ob sie sich dort alleine aufhält 

KH: Königsbrück

aktueller Status: Rudel; Kerngebiet: Königsbrücker Heide, im April 2011 wurden erstmals zwei Wölfe nachgewiesen und im Juli 2011 erste Welpen, Wurf 2016: noch offen

KhB: Königshainer Berge

aktueller Status: Rudel; Kerngebiet: Königshainer Berge, im Sommer 2015 wurde ein Welpe sowie die ehemalige Kollmer Fähe erstmals nachgewiesen, Wurf 2016: noch offen

LH: Laußnitzer Heide

aktueller Status: in Bearbeitung; Kerngebiet: Laußnitzer Heide, seit Winter 2013/2014 verstärkte Hinweise auf ein territoriales Wolfspaar, erster Wurf 2014, Wurf 2016: noch offen

MI: Milkel
aktueller Status: Rudel; Kerngebiet: TÜP Oberlausitz West/ Neustädter Heide (ehem. Kerngebiet des Neustädter Rudels), nachgewiesen seit 2008, Wurf 2016: mind. 4 Welpen

NO: Nochten
aktueller Status: Rudel; Kerngebiet: TÜP Oberlausitz/ Tagebaugebiet Reichwalde, nachgewiesen seit 2005, eine Tochter des alten Nochtener Wolfspaares hat das Revier 2012 mit einem eigenen Partner übernommen, Wurf 2016: mind. 4 Welpen

NY: Niesky
aktueller Status: Rudel; Kerngebiet: Gebiet um Niesky / Königshainer Berge, seit Herbst 2011 erstmals nachgewiesen, die Fähe (FT8, "Greta") trug 2013-2015 einen GPS-GSM-Halsbandsender, Wurf 2016: noch offen

RT: Rosenthal
aktueller Status: in Bearbeitung; Kerngebiet: Gebiet um Ralbitz-Rosenthal (LK Bautzen), eine Tochter FT7 ("Marie") aus dem Milkeler Rudel, die 2012-2013 einen GPS-GSM-Halsbandsender trug, hat hier 2013 zusammen mit einem Rüden ein Revier etabliert, erster Wurf Welpen 2014, Wurf 2016: noch offen

SL: Seenland
aktueller Status: Rudel; Kerngebiet: Elsterheide/ Lausitzer Seenland, seit 2009 bestätigt, das alte Elternpaar ist seit Ende 2011 nicht mehr nachgewiesen, eine Tochter dieses Paares hat das Revier übernommen und reproduziert dort seit 2013, Wurf 2016: noch offen

SP: Spremberg (SN / BB)

aktueller Status: Rudel; Kerngebiet: Östl. Spremberg / Slamener Heide, Großteil des Reviers in Sachsen, Teil in Brandenburg, seit 2010 Wolfspaar, im Jahr 2011 erstes Mal Nachwuchs, der besenderte Rüde "Karl" war bis 2014 der Vaterwolf, er starb im März 2015, Wurf 2016: noch offen

 

*Wolfsterritorien, deren Reviere nur zum Teil in Sachsen liegen

AH: Annaburger Heide (ST / SN / BB)

Kerngebiet: Annaburger Heide mit Schwerpunkt in Sachsen-Anhalt, seit 2010 gab es immer wieder einzelne Hin- bzw. Nachweise auf Wölfe, seit 2012 ein Paar bestätigt, im Jahr 2013 erstes Mal Nachwuchs nachgewiesen

RZ: Ruszow Rudel (PL / SN)

Kerngebiet: Gebiet um Ruszow (Polen) bis Bereiche östl. Niesky (Sachsen)

Z: Zschornoer Wolfspaar (BB / SN)

Kerngebiet: Zschornoer Heide (BB), das Revier reicht bis nach Sachsen, seit 2007 als welpenloses Wolfspaar bestätigt