| Untersuchung des auf der A 15 überfahrenen Wolfes |
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16. Mai 2006
Der am 10.02.2006 auf der A 15 bei Forst in Brandenburg totgefundene Wolf ist in seinem ersten Lebensjahr gestorben. Zu diesem Ergebnis kam Prof. Dr. Ansorge vom Staatlichen Museum für Naturkunde Görlitz bei einer Altersbestimmung, die auf einer Untersuchung des Entwicklungsstandes verschiedener Schädelmerkmale, der Zahnentwicklung und Zahnabnutzung beruht. Darüber hinaus wurde ein Dünnschnitt der Zahnwurzel des oberen Caninus (Eckzahn) angefertigt. Wenn der Wolf Mitte Mai geboren wurde, so ist er im Alter von neun Monaten gestorben. Bisher ist man davon ausgegangen, dass die meisten Jungwölfe in Deutschland und Polen ihr Elternrudel erst in ihrem zweiten Lebensjahr verlassen, ähnlich wie in den meisten nordamerikanischen Studien. Neuere Forschungen aus Skandinavien und Finnland zeigen allerdings, dass dort die meisten Jungwölfe bereits im Alter von 10 - 14 Monaten abwandern. Erklärt wird dies mit der geringen Beutetierdichte in diesen Gebieten. Die Eltern können daher nur den jüngsten Nachwuchs durchfüttern. Die älteren Geschwister müssen dagegen schon früh auf eigenen Beinen stehen. Nahrungsknappheit herrscht für Wölfe weder in Deutschland noch in Westpolen. Warum die Wölfin so früh abgewandert ist, bleibt daher vorerst Spekulation. Ebenso wie ihre Herkunft. Der Welpe könnte theoretisch aus einem Rudel in Westpolen stammen oder aus einem der beiden deutschen Wolfsrudel. Der Fundort der Wölfin befand sich nur 2,5 km von der deutsch-polnischen Grenze entfernt und nur 30 Kilometer nördlich des bekannten Wolfsgebietes in Sachsen. Endgültige Gewissheit soll eine für Ende Juni erwartete DNA-Analyse geben. Prof. Dr. Ansorge wies bei der Bewertung der nichtmetrischen Schädelmerkmale (Foramina) einen niedrigen Asymmetriegrad von 0,056 nach, was auf eine recht hohe Entwicklungsstabilität hindeutet und gegen negative genetische Einflüsse, wie z.B. Inzucht spricht. |
