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Ansorge H., Holzapfel M., Wagner C., Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz
Seit 2001 werden im Zuge des Wolfsmonitorings kontinuierlich Wolfslosungen (Kot) gesammelt, um die Ernährung der Lausitzer Wölfe und eventuelle Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten zu dokumentieren. Inzwischen wurden 1468 Losungen untersucht (Stand Juli 2009) und im Hinblick auf die Nahrungszusammensetzung ausgewertet. Dafür werden die in der Losung enthaltenen, unverdaulichen Reste, wie Haare, Knochenfragmente oder Zähne, den entsprechenden Beutetierarten zugeordnet, um dann die tatsächlich verzehrten Anteile pro Beutetierart am Speiseplan der Wölfe zu berechnen.
Nahrungszusammensetzung
Wie für Wolfsvorkommen in wildreichen Gebieten typisch, besteht die Hauptnahrung der Lausitzer Wölfe aus wildlebenden Huftieren, welche 95,5% der verzehrten Biomasse ausmachen und in 96% aller Losungen enthalten sind. Das Reh bildet dabei mit über 50% den Hauptnahrungsbestandteil, gefolgt von Rothirsch und Wildschwein.
Abb. 1 : Biomasseanteil an der Wolfsnahrung (%)
Der hohe Reh-Anteil ist für Wolfspopulationen in Gegenden mit relativ hoher Rothirschdichte wie der Muskauer Heide eher ungewöhnlich und begründet sich vermutlich dadurch, dass die Lausitzer Wölfe meist allein oder zu zweit jagen und somit das kleinere Reh leichter zu überwältigen ist. Die vom Menschen angesiedelten Arten Mufflon und Damhirsch bilden nur einen sehr geringen Teil der Wolfsnahrung. Das Mufflon ist inzwischen aus dem Untersuchungsgebiet weitgehend verschwunden, da ihm Fluchthabitate fehlen. Seine typische Fluchtstrategie, das Ausweichen in steile Felsen, konnte das Mufflon gegenüber den Wölfen in der flachen Lausitz nicht anwenden. Eine weitere Nahrungskategorie stellen die Hasenartigen, Feldhase und Wildkaninchen, dar, welche einen Anteil von etwa 4% an der Nahrung ausmachen. Haustiere und Kleinsäuger kommen regelmäßig in der Wolfsnahrung vor, machen jedoch nur einen sehr geringen Teil an der verzehrten Biomasse aus (jeweils unter 1%). Kleinsäuger (vor allem Wühlmäuse) sind aufgrund ihrer geringen verwertbaren Masse eher als Gelegenheitsbeute anzusehen. Bei den in der Nahrungsanalyse festgestellten Haustieren handelt es sich vorwiegend um Schafe. Desweiteren konnten gelegentlich mittelgroße Säuger wie Nutria, Fuchs und Marderhund; Vögel, Fische und Früchte festgestellt werden. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich größtenteils um Gelegenheitsbeute oder Aas, bei den Früchten handelte es sich zumeist um Äpfel.
Anteil von Jungtieren an der Nahrung der Wölfe
Die Wölfe in der Lausitz bevorzugen deutlich Rothirschkälber gegenüber ausgewachsenen und wehrhafteren Hirschen. Rehe dagegen werden nicht nach dem Alter selektiert, der Anteil der Rehkitze an der Nahrung der Wölfe entspricht also etwa dem Anteil der Kitze am Gesamtbestand der Rehe.
Die Daten reichen noch nicht aus, um eine Aussage über die Selektion junger gegenüber ausgewachsenen Wildschweinen zu treffen. Es ist jedoch anzunehmen, dass juvenile Wildschweine deutlich bevorzugt werden. Dafür sprechen die Ergebnisse vergleichbarer Untersuchungen aus Polen und Italien und der erhöhte Wildschweinanteil an der Wolfsnahrung im Frühjahr, wenn besonders viele Frischlinge zur Verfügung stehen. Abb. 2: Anteil an der Gesamtzahl gerissener Tiere (%)
Entwicklung der Nahrungszusammensetzung im Jahresverlauf Betrachtet man die Zusammensetzung der Wolfsnahrung im Jahresverlauf fällt auf, dass der Anteil des Rehs in den ersten Jahren deutlich anstieg, und anschließend auf relativ gleichbleibendem Niveau blieb. Der Rothirschanteil dagegen sank nach den ersten beiden Jahren des Beobachtungszeitraums auf ein relativ niedrigeres Niveau, wohingegen der Anteil des Wildschweins keinem erkennbaren Trend folgt und deutlichen Schwankungen unterliegt. Diese sind zum größten Teil auf die Wetterbedingungen im Winter und Frühjahr und das Nahrungsangebot für das Schwarzwild zurückzuführen. So sind beispielsweise die Anteile des Wildschweins deutlich höher, wenn durch ein hohes Nahrungsangebot im Herbst (Eicheln, Feldfrüchte,…) und einen vergleichsweise milden Winter im folgenden Frühjahr sehr viele leicht zu erbeutende Frischlinge zur Verfügung stehen. Der hohe und steigende Anteil des Rehs an der Wolfsnahrung ist wie schon erwähnt vermutlich darauf zurückzuführen, dass die Wölfe in der Lausitz vorwiegend allein oder in kleinen Gruppen jagen und somit das Reh eine vergleichsweise leichte und gut verfügbare Nahrungsquelle darstellt.
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