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Wie viele wildlebende Wölfe gibt es in Deutschland?
Im Sommer 2008 lebten in der Lausitz 5 Wolfsrudel und ein territoriales Paar: das Neustädter-, das Nochtener-, das Daubitzer-, das Milkeler-, das Daubaner Rudel und das Zschornoer Paar (aktuelle Rudelterritorien). Die Anzahl der in den Rudeln lebenden Wölfe schwankt je nach Jahreszeit in der Regel zwischen 5-10 Wölfen. Die Schwankungen ergeben sich durch die Geburt der Welpen, die Abwanderung der Jährlinge und Todesfälle. Ausserhalb der Lausitz gibt es mehrere bestätigte Nachweise von einzelnen Wölfen (Verbreitung in Deutschland).

Woher kommen die Wölfe?
Das Wolfsvorkommen in der Oberlausitz basiert auf einer natürlichen Zuwanderung von Wölfen aus Polen. Auf Grundlage einer landesweiten Erfassung der polnischen Forstverwaltung wird der Wolfsbestand in Polen auf ca. 600 Tiere geschätzt. Sie leben vor allem im Nordosten und Südosten des Landes. In Westpolen sind aktuell 5 Rudel nachgewiesen. Die in den letzten Jahren nach Sachsen eingewanderten Wölfe waren alle relativ eng mit den hier bereits ansässigen Rudeln verwandt, was darauf schließen lässt, dass sie aus nahe verwandten Rudeln aus Westpolen kamen. Die in Deutschland und Westpolen lebenden Wölfe werden daher zu einer Population zusammengefasst. Nach genetischen Untersuchnungen wird das deutsch-westpolnische Wolfsvorkommen durch Zuwanderer aus der baltischen Wolfspopulation im Nord-Osten Polens gespeist. Zuwanderungen aus der karpatischen Population wurden hingegen noch nicht nachgewiesen.

Sind Wölfe für Menschen gefährlich?
Von einem gesunden wildlebenden Wolf geht i.d.R. keine Gefahr aus, denn der Mensch zählt nicht zu seiner natürlichen Beute. Wölfe meiden normalerweise Begegnungen mit Menschen. Sie reagieren auf Menschen mit äußerster Vorsicht und in der Regel nicht aggressiv. Berichte über Angriffe aus früheren Jahrhunderten, lassen sich zum größten Teil auf tollwütige Wölfe zurückführen. Deutschland ist in Folge der Ausbringung von Impfködern seit 2008, Brandenburg bereits seit 2000 und Sachsen seit 2004 tollwutfrei.
Die instinktive Vorsicht, die gesunde Wölfe vor Menschen haben, kann verloren gehen, wenn die Tiere zum Beispiel über lange Zeit gezielt angefüttert werden. Eine daraus resultierende Gewöhnung kann zu problematischen Verhalten führen. Bisher ist in Sachsen kein Fall von einem aufdringlichen oder aggressiven Wolf bekannt geworden.

Wie soll ich mich verhalten, wenn ich einem Wolf begegne?
Eine zufällige Begegnung von Mensch und Wolf, etwa beim Pilzesuchen im Wolfsgebiet, ist sehr selten, da Wölfe den Menschen meist zuerst bemerken und sich dann nicht zeigen. Dennoch ist sie, z.B. bei ungünstigen Windverhältnissen, nicht gänzlich auszuschließen. Deutlich wahrscheinlicher ist im Wolfsgebiet aber eine zufällige Beobachtung vom Auto aus, wenn ein Wolf nachts eine Straße überquert.
Grundsätzlich gilt: Wenn Sie einen Wolf sehen, verhalten Sie sich bitte ruhig. Bleiben Sie stehen und halten Sie Abstand. Sprechen Sie das Tier ruhig an, falls es noch nicht auf Sie aufmerksam geworden ist. Bevor es (vermutlich rasch) verschwindet, versuchen Sie sich sein Aussehen gut einzuprägen und melden Sie die Sichtung. (Sichtung melden)

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Kann man in der Lausitz Wölfe beobachten?
Wolfsbeobachtungen sind in der Lausitz seltene Zufälle (s.o.). Da Sichtungen nicht organisierbar sind, werden Exkursionen zur Wolfsbeobachtung nicht angeboten. Es finden aber regelmäßig Spurenexkursionen statt, bei denen die Teilnehmer zwar keine Wölfe sehen können, aber gute Chancen haben, auf die Spuren von Wölfen zu treffen (Termine Spurenexkursionen).





Werden sich die Wölfe weiter ausbreiten und welche Auswirkungen bringt das mit sich?
Auf Grund der großen Ausbreitungs- und Anpassungsfähigkeit des Wolfes ist damit zu rechnen, dass Wölfe sich in geeigneten Lebensräumen ausserhalb der Lausitz ansiedeln und Rudel bilden werden. In Deutschland sind aktuell mehrere Gebiete mit Wolfshin- oder nachweisen bekannt (siehe Verbreitung in Deutschland). Mit der Etablierung von Wölfen ist je nach örtlichen Gegebenheiten von möglichen Konflikten mit Landnutzern, insbesondere Nutztierhaltern und Jägern, auszugehen. In der Bevölkerung ruft die Zuwanderung von Wölfen oft Ängste und Befürchtungen hervor. Zur Minimierung der Konflikte bzw. zur Förderung eines konfliktarmen Zusammenlebens zwischen Mensch und Wolf sind Wolfsmanagementmaßnahmen wie z.B. Prävention und Kompensation von Nutztierschäden, Monitoring und Öffentlichkeitsarbeit notwendig.

Kann der Wolf in Deutschland noch geeignete Lebensräume vorfinden?
Ja, denn der Wolf ist eine ausgesprochen anpassungsfähige Tierart. Er benötigt ausreichend große Wildbestände (vor allem Rehe, Rothirsche und Wildschweine) und ungestörte Tageseinstände (Ruheplätze). Viele Gebiete in Deutschland erfüllen diese beiden Kriterien und erscheinen somit als Lebensraum für den Wolf geeignet. Illegale Abschüsse und Verkehrsunfälle können die natürliche Ausbreitung der Wölfe in Deutschland verzögern.
Ausschlaggebend für die Etablierung von Wölfen in einer Kulturlandschaft sind weniger ökologische Bedingungen, sondern vielmehr die Einstellung der Bevölkerung.

Ist das Wild im Wolfsgebiet von der Ausrottung bedroht?
Eine Ausrottung der heimischen Beutetiere durch Wölfe ist nicht zu erwarten, denn das Territorium eines Wolfsrudels ist immer so groß, dass es genügend Beutetiere für eine erfolgreiche Welpenaufzucht umfasst. Die Zahl überlebender Welpen pro Jahr - und damit die jährliche Größe des Wolfsrudels - ist von der Beutetierdichte und -verfügbarkeit abhängig. Werden die Beutetiere seltener, erreichen auch weniger Wolfswelpen das Erwachsenenalter. Die Lebensweise des Wolfes (Leben in Rudeln mit ausgesprochener Territorialität, Abwanderung geschlechtsreifer Jungwölfe) verhindert ein beliebiges Anwachsen der Wolfsdichte in einem bestimmten Gebiet.
Davon abweichend kann es aber in vom Menschen geschaffenen Sondersituationen zu einem verstärkten Rückgang bis hin zu einer Ausrottung von Beutetieren durch Wölfe kommen. In Fällen, wo Huftiere von Menschen aktiv in Gebieten angesiedelt wurden, die ihren Habitatansprüchen nicht in allen Punkten genügen, können sie einem Beutegreifer relativ wehrlos ausgeliefert sein. Dies trifft im Oberlausitzer Wolfsgebiet für das Mufflon, eine in den 70-ger Jahren eingebürgerte Wildschafart, zu. Das Mufflon benötigt steile Felsbereiche, um sich dort vor Feinden in Sicherheit zu bringen. Da diese im flachen, sandigen Gelände des Wolfsgebietes fehlen, konnten die Mufflons ihr spezifisches Fluchtverhalten nicht anwenden. Deshalb sind sie heute aus dem Gebiet weitgehend verschwunden.

Müssen Wölfe durch den Menschen bejagt werden?
Aus ökologischer / biologischer Sicht besteht keine Notwendigkeit zur Bejagung von Wölfen. Wölfe zählen zu den sogenannten Spitzenprädatoren - das heißt sie stehen am Ende der Nahrungskette, ihre Zahl wird nicht durch natürliche Feinde, sondern weitgehend durch die Häufigkeit und Verfügbarkeit ihrer Beutetiere reguliert. Durch die Lebensweise des Wolfes (Leben in Rudeln mit ausgesprochener Territorialität) ist der Anzahl der Wölfe in einem Gebiet stets eine natürliche Grenze gesetzt. Eine Reduzierung von Wolfsvorkommen zur Reduzierung von Konflikten mit Landnutzern z.B. Schäfern und Jägern ist in Europa nur unter Beachtung der Stabilität und des günstigen Erhaltungszustandes von Wolfspopulationen erlaubt. Eine Bejagung der gegenwärtig noch kleinen, instabilen deutsch-westpolnischen Wolfspopulation ist nicht legitim. Grundsätzlich ist es nach den bestehenden Gesetzen möglich, in Sondersituationen einzelne "Problemwölfe", z.B. bei gefährlichem Verhalten gegenüber Menschen oder massiven Schäden an geschützten Nutztierbeständen, zu töten, wenn keine anderen Mittel wirksam sind.

Gibt es Schadensersatzansprüche des Jagdpächters auf gerissenes Wild?
Nein, denn nach dem Bundesjagdgesetz (§1 BJagdG) ist Wild herrenlos. Erst mit der Erlegung erwirbt der Jagdausübungsberechtigte das Eigentum an einem Stück Wild. Rechtlich gesehen ist Jagd kein Erwerbszweig. Da es sich bei der natürlichen Rückkehr des Wolfes nicht um eine hoheitliche Maßnahme (z.B. Wiederansiedlung) handelt, besteht auch kein Eingriff in einen Vermögenswert. Eine Entschädigung für ausbleibende Einnahmen (jagdliche Erlöse) gibt es daher nicht.

Gibt es Schadensersatzansprüche des Tierhalters bei Nutztierschäden durch den Wolf?
Schäden an Nutztieren, bei denen der Wolf als Verursacher nicht ausgeschlossen werden kann, werden in Sachsen und Brandenburg unter bestimmten Voraussetzungen entschädigt (siehe staatliche Regelungen).

Welchen gesetzlichen Schutzstatus hat der Wolf in Deutschland und in Polen?
Im Ergebnis der Berner Konvention von 1979 steht der Wolf seit 1990 im vereinigten Deutschland unter Naturschutz, er unterliegt nicht dem Jagdrecht.
Der Wolf ist dem Anhang A der EU-Artenschutzverordnung von 1997 (VO (G) 338/97) zuzuordnen und damit nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BnatSchG § 10 Abs.2 Nr.11 a) eine streng geschützte Art. Darüber hinaus zählt er auch nach EU-Recht im Rahmen der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie seit 1992 (Anhang IV der RL 92/43/EWG FFH RL) als prioritäre Art, für die Schutzgebiete auszuweisen sind.
Danach ist es verboten Wölfe zu fangen, zu verletzten, zu töten sowie ihre Wohn- und Zufluchtstätten aufzusuchen, zu beschädigen oder zu zerstören.
In bestimmten, streng geregelten Ausnahmefällen, besteht nach geltender Rechtslage allerdings die Möglichkeit, eine Ausnahmegenehmigung zur Entnahme eines Wolfes aus der Natur zu erwirken. Dies gilt auch für Mischlinge zwischen Wolf und Haushund, die gesetzlich dem gleichen Schutz unterliegen wie reinrassige Wölfe.
In Polen erfolgte die Unterschutzstellung ab 1993 zuerst kleinräumig und phasenweise in einigen Gebieten Westpolens. Seit 1995 steht der Wolf in fast allen Provinzen des Landes unter Naturschutz. In den drei wolfreichsten Wojewodschaften im Nordosten und Südosten Polens darf der Wolf seit 1998 nicht mehr bejagd werden. Seit dem ist der Wolf in ganz Polen geschützt.

Warum greifen Wölfe Haustiere/ Nutztiere an?
Wölfe können nicht zwischen wildlebenden und domestizierten Huftieren unterscheiden. Treffen sie  bei ihren Streifzügen auf unzureichend geschützte Nutztiere, zum Beispiel eine Schafherde, ergreifen sie meist ihre Chance auf diese ungewöhnlich leicht zu überwältigende Beute. Durch Schutzmaßnahmen lassen sich Schäden an Nutztierbeständen minimieren. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es allerdings nicht.
Größere und wehrhaftere Tiere wie Kühe und Pferde wurden im Lausitzer Wolfsgebiet noch nie angegriffen und gelten als kaum gefährdet.

Töten Wölfe bei Übergriffen auf Nutztierherden mehr Tiere als sie fressen können?
Ja, das kann vorkommen. Da das Fangen und Töten von Beutetieren ist in der Regel für Wölfe sehr aufwendig ist, nutzen sie die Gelegenheit, wenn sie bei der Jagd die Möglichkeit haben mehr als ein Beutetier zu ergreifen, um sich einen entsprechend großen Vorrat anzulegen. In der Natur kommt es kaum dazu, da die Beutetiere fliehen wenn ein Angriff auf z.B. ein Rudel Rothirsche erfolgt. Eine Herde von Hausschafen ist für den Wolf nichts anderes als eine Gruppe ungewöhnlich wehrloser Beutetiere, denn anders als Wildtiere haben Hausschafe keine funktionierende Flucht- oder Verteidigungsstrategie. Die geringe Wehrhaftigkeit und Fluchtfähigkeit der Schafe lösen beim Wolf wiederholt ein Jagd- und Tötungsverhalten aus.

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