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Wie viele wildlebende Wölfe gibt es in Deutschland?
Im Sommer 2011 lebten in der Lausitz 9 Wolfsrudel und ein territoriales Paar: das Welzower-, das Spremberger-, das Seenland-, das Nochtener-, das Daubitzer-, das Milkeler-, das Daubaner-, das Königsbrücker Rudel und das Zschornoer Paar (aktuelle Rudelterritorien). Die Anzahl der in den Rudeln lebenden Wölfe schwankt je nach Jahreszeit in der Regel zwischen 5-10 Wölfen. Die Schwankungen ergeben sich durch die Geburt der Welpen, die Abwanderung der Jährlinge und Todesfälle. Außerhalb der Lausitz gibt es mehrere bestätigte Nachweise von einzelnen Wölfen (Verbreitung in Deutschland).
Woher kommen die Wölfe? Das Wolfsvorkommen in der Oberlausitz basiert auf einer natürlichen Zuwanderung von Wölfen aus Polen. Auf Grundlage einer landesweiten Erfassung der polnischen Forstverwaltung wird der Wolfsbestand in Polen auf ca. 600 Tiere geschätzt. Sie leben vor allem im Nordosten und Südosten des Landes. In Westpolen sind aktuell 5 Rudel nachgewiesen. Die in den letzten Jahren nach Sachsen eingewanderten Wölfe waren alle relativ eng mit den hier bereits ansässigen Rudeln verwandt, was darauf schließen lässt, dass sie aus nahe verwandten Rudeln aus Westpolen kamen. Die in Deutschland und Westpolen lebenden Wölfe werden daher zu einer Population zusammengefasst. Nach genetischen Untersuchnungen wird das deutsch-westpolnische Wolfsvorkommen durch Zuwanderer aus der baltischen Wolfspopulation im Nord-Osten Polens gespeist. Zuwanderungen aus der karpatischen Population wurden hingegen noch nicht nachgewiesen.
Sind Wölfe für Menschen gefährlich? Von einem gesunden wildlebenden Wolf geht i.d.R. keine Gefahr aus, denn der Mensch zählt nicht zu seiner natürlichen Beute. Wölfe meiden normalerweise Begegnungen mit Menschen. Sie reagieren auf Menschen mit äußerster Vorsicht und in der Regel nicht aggressiv. Berichte über Angriffe aus früheren Jahrhunderten, lassen sich zum größten Teil auf tollwütige Wölfe zurückführen. Deutschland ist in Folge der Ausbringung von Impfködern seit 2008, Brandenburg bereits seit 2000 und Sachsen seit 2004 tollwutfrei.
Die instinktive Vorsicht, die gesunde Wölfe vor Menschen haben, kann verloren gehen, wenn die Tiere zum Beispiel über lange Zeit gezielt angefüttert werden. Eine daraus resultierende Gewöhnung kann zu problematischen Verhalten führen. Bisher ist in Sachsen kein Fall von einem aufdringlichen oder aggressiven Wolf bekannt geworden.
Wie soll ich mich verhalten, wenn ich einem Wolf begegne? Eine zufällige Begegnung von Mensch und Wolf, etwa beim Pilzesuchen im Wolfsgebiet, ist sehr selten, da Wölfe den Menschen meist zuerst bemerken und sich dann nicht zeigen. Dennoch ist sie, z.B. bei ungünstigen Windverhältnissen, nicht gänzlich auszuschließen. Deutlich wahrscheinlicher ist im Wolfsgebiet aber eine zufällige Beobachtung vom Auto aus, wenn ein Wolf nachts eine Straße überquert.
Grundsätzlich gilt: Wenn Sie einen Wolf sehen, verhalten Sie sich bitte ruhig. Bleiben Sie stehen und halten Sie Abstand. Sprechen Sie das Tier ruhig an, falls es noch nicht auf Sie aufmerksam geworden ist. Bevor es (vermutlich rasch) verschwindet, versuchen Sie sich sein Aussehen gut einzuprägen und melden Sie die Sichtung. (Sichtung melden)
Wenn Ihnen die Situation nicht geheuer ist, laufen Sie nicht davon, sondern gehen Sie langsam rückwärts und sprechen Sie dabei laut. Falls der Wolf nicht wegläuft oder sich Ihnen wider Erwarten annähert, halten Sie an, schreien Sie ihn an und klatschen in die Hände. Versuchen Sie ihn einzuschüchtern, indem Sie sich groß machen und eventuell etwas nach ihm werfen.
Kann man in der Lausitz Wölfe beobachten?
Wolfsbeobachtungen sind in der Lausitz seltene Zufälle (s.o.). Da Sichtungen nicht organisierbar sind, werden Exkursionen zur Wolfsbeobachtung nicht angeboten. Es finden aber regelmäßig Spurenexkursionen statt, bei denen die Teilnehmer zwar keine Wölfe sehen können, aber gute Chancen haben, auf die Spuren von Wölfen zu treffen (Termine Spurenexkursionen).
Werden sich die Wölfe weiter ausbreiten und welche Auswirkungen bringt das mit sich? Auf Grund der großen Ausbreitungs- und Anpassungsfähigkeit des Wolfes ist damit zu rechnen, dass Wölfe sich in geeigneten Lebensräumen ausserhalb der Lausitz ansiedeln und Rudel bilden werden. In Deutschland sind aktuell mehrere Gebiete mit Wolfshin- oder nachweisen bekannt (siehe Verbreitung in Deutschland). Mit der Etablierung von Wölfen ist je nach örtlichen Gegebenheiten von möglichen Konflikten mit Landnutzern, insbesondere Nutztierhaltern und Jägern, auszugehen. In der Bevölkerung ruft die Zuwanderung von Wölfen oft Ängste und Befürchtungen hervor. Zur Minimierung der Konflikte bzw. zur Förderung eines konfliktarmen Zusammenlebens zwischen Mensch und Wolf sind Wolfsmanagementmaßnahmen wie z.B. Prävention und Kompensation von Nutztierschäden, Monitoring und Öffentlichkeitsarbeit notwendig.
Kann der Wolf in Deutschland noch geeignete Lebensräume vorfinden? Ja, denn der Wolf ist eine ausgesprochen anpassungsfähige Tierart. Er benötigt ausreichend große Wildbestände (vor allem Rehe, Rothirsche und Wildschweine) und ungestörte Tageseinstände (Ruheplätze). Viele Gebiete in Deutschland erfüllen diese beiden Kriterien und erscheinen somit als Lebensraum für den Wolf geeignet. Illegale Abschüsse und Verkehrsunfälle können die natürliche Ausbreitung der Wölfe in Deutschland verzögern.
Ausschlaggebend für die Etablierung von Wölfen in einer Kulturlandschaft sind weniger ökologische Bedingungen, sondern vielmehr die Einstellung der Bevölkerung.
Ist das Wild im Wolfsgebiet von der Ausrottung bedroht? Gibt es Schadensersatzansprüche des Jagdpächters auf gerissenes Wild? Welchen gesetzlichen Schutzstatus hat der Wolf in Deutschland und in Polen? Warum greifen Wölfe Haustiere/ Nutztiere an? Töten Wölfe bei Übergriffen auf Nutztierherden mehr Tiere als sie fressen können? |




