| Neues von den besenderten Wölfen |
Die Milkeler Wölfin leckt ihrem Rüden "Rolf" über die Kratzer an der Schnauze die er sich beim Kampf um das Territorium zugezogen hat.
16. Juni 2010: Im Rahmen des BfN Vorhabens „Ausbreitungs- Abwanderungsverhalten von Wölfen in Deutschland“ wurden 2009 und 2010 insgesamt sechs Wölfe mit GPS-GSM Halsbandsendern ausgestattet (KB berichtete). Vier der Tiere werden aktuell überwacht. Die vorläufigen Ergebnisse aus der aktuellen Studie zeigen deutlich die individuellen Unterschiede der „vierbeinigen Projektmitarbeiter“. Während der besenderte Jungwolf „Alan“ bereits mit knapp einem Jahr bis nach Weißrussland abwanderte, stellte sich sein Bruder „Karl“ als deutlich weniger wanderfreudig heraus. Nach einem ca. 3 wöchigen Ausflug nach Brandenburg (LK Teltow-Fläming) im März letzten Jahres, blieb er in der Nähe seines Elternterritoriums bei Nochten. In der Paarungszeit Februar / März hielt er sich überwiegend im Gebiet des Milkeler Rudels auf. Eine Provokation für den ansässigen Rüden „Rolf“, die dieser nicht tatenlos hinnahm. Filmaufnahmen zeigten beide Rüden mit Verletzungen, die sie sich offenbar gegenseitig bei Revierkämpfen zugezogen haben. Das Milkeler Rudel hatte im Vorjahr zusätzlich zu seinem aus 2008 bekannten Gebiet auch das Territorium des Neustädter Rudels übernommen. Offensichtlich musste es nun den nördlichsten Teil dieses großen Gebietes an „Karl“ abtreten. „Karl“ wird von einer jungen Fähe begleitet. Sein räumliches Verhalten liefert momentan jedoch keinen Anhaltspunkt, dass er Welpen aufzieht. Möglicher Weise ist seine Gefährtin, eine Tochter aus einem der umliegenden Rudel, die erst im nächsten Winter geschlechtsreif wird. Nach den drei Rüden des Vorjahres, wurden im April 2010 von den Wissenschaftlerinnen des Wildbiologischen Büro LUPUS im Rahmen des BfN-Projektes drei Wölfinnen besendert: die Fähe des Nochtener Rudels, eine ihrer einjährigen Töchter (Lisa) sowie eine ebenfalls einjährige Fähe aus dem Seenlandrudel (Mona). Die Nochtener Fähe zieht seit Anfang Mai Welpen auf und verbringt die meiste Zeit in unmittelbarer Nähe ihres Nachwuchses. Ihre Tochter „Lisa“ interessiert sich bisher wenig für ihre jüngeren Geschwister, lebt eher ein „Teenagerleben“ im Territorium ihrer Eltern. Die gleichaltrige „Mona“ zeigt dagegen deutliches Interesse am Nachwuchs ihrer Mutter, der Seenland-Wölfin. Die Daten von „Mona“ zeigen, dass die junge Fähe immer wieder denselben Ort aufsucht, für die Biologinnen ein Zeichen, das sich dort die Welpen des Rudels befinden. Im Laufe des nächsten Jahres werden die besenderten Jungwölfe „Mona“ und „Lisa“ immer selbstständiger werden. Mit zwei bis drei Jahren sollten sie versuchen, eine eigene Familie zu gründen. Ob sie dann in der Lausitz in einem noch nicht besetzten Gebiet ein neues Rudel gründen, oder sich als ähnlich wanderfreudig entpuppen wie „Alan“, wird von den Wissenschaftlerinnen mit Spannung erwartet. Wölfe leben in Familien, bestehend aus Eltern und ihrem Nachwuchs. Anfang Mai werden die Wolfswelpen geboren. In der frühen Phase der Welpenaufzucht sorgt der Rüde sowohl für den Nachwuchs als auch für die Fähe. Später tragen beide Elterntiere den Welpen Futter zu, solange bis diese groß genug sind, ihnen über weitere Strecken zu folgen. Die Jährlinge (ein Jahr ältere Geschwister) können bei der Welpenaufzucht helfen, als Babysitter oder indem sie den Jungtieren Futter zutragen. Die meisten Jungwölfe wandern im Alter von ein bis zwei Jahren aus den Rudelterritorien der Elterntiere ab und versuchen einen Paarungspartner zu finden, mit dem sie in einem geeigneten Territorium ein eigenes Rudel gründen können. |
